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4 Wochen Europa „Süd“ – mit dem VW Bus

  

Seit 2010 erkunden wir mit unserem Bus den Norden Europas und sind immer wieder begeistert von der Natur, der Ruhe und der Abgeschiedenheit, die man dort noch finden kann. Zugleich fühlt man sich in Ländern wie Norwegen, Schweden und Finnland sehr sicher und wohlbehalten.

2017 entschlossen wir uns, trotz einiger Vorbehalte die Sicherheit betreffend und dem Wissen, dass es in den südlichen Ländern grundsätzlich nicht so einfach ist in der Natur oder am Straßenrand zu übernachten, zu einer 4-wöchigen Tour durch Südeuropa.

  

Im Mai ging es los und wir planten die Route über Nordfrankreich, der Westküste Spaniens und Portugals bis nach Gibraltar. Zurück sollte es über den östlichen Teil Spaniens und Südfrankreich gehen. Die wichtigsten Neuanschaffungen für diesen Trip waren eine Mobiltoilette und eine Pedalkralle. Auch wenn der alte Bus nicht wirklich attraktiv ist, fühlten wir uns damit doch sicherer.

 

30.April 2017: Wir starten unsere Tour und fahren erst einmal westwärts. Nach einem großen Sprung vo 650km und einem ausgedehnten Stadtbummel durch Zwolle finden wir auf dem Revehof einen hübschen Campingplatz für uns alleine.

01.05.2017: Wir fahren weiter in Richtung Zeeland und halten in Gouda, schauen uns die Stadt an und essen dort – nicht nur Käse;). In Rotterdamm regnet es, deshalb lassen wir die Stadt mehr oder weniger links liegen und fahren nach einen kurzen Stop weiter nach Zeeland. Nahe Oostkapelle schlafen wir wieder allein auf einem kleinen Campingplatz.

02.05.2017: Draußen ist es kalt und ungemütlich – die Standheizung läuft und wir frühstücken im Bus. Nach einer kurzen Fahrt erreichen wir Belgien und machen Halt im schönen Brügge. Es geht weiter nach Frankreich. Wir halten oberhalb von Calais, machen ein Foto, flüchten aber recht bald in den Bus, da es stürmt und regnet. Am Cap Gris-Nez finden wir einen gemütlichen Campingplatz. Der Hofhund schaut überrascht – vermutlich sind wir die ersten Besucher der Saison. Der Besitzer ist nicht da, wir bezahlen beim Nachbarn und suchen uns ein schönes Plätzchen.

 

03.05.2017: Zweites Frühstück am Strand von Merlimont mit frischem Baguette. Merlimont Plage befindet sich noch im Winterschlaf. Wo im Sommer Strände und Parkplätze überfüllt sind, herrscht Anfang Mai noch Totenstille. Wie schön für uns. Über „Pointe du Hourdel“ und Quiberville geht unsere Fahrt weiter nach Saint Aubin sur Mer. Hier finden wir einen verlassenen aber gemütlichen Campingplatz. Nach einem kurzen Telefonat kommt eine freundliche ältere Frau vorbei, zeigt uns die spartanischen Örtlichkeiten, kassiert 12,50€ und fährt wieder nach Hause. Wenige Minuten später ist das Abendessen in der Pfanne und wir lassen den Tag ausklingen. Am anderen Ende des Platzes steht noch ein zum Camper umgebauter Transporter, ansonsten auch hier – nix los.

04.05.2017: Nachdem uns die Standheizung auf Betriebstemperatur gebracht hat und der Kaffeeduft verflogen ist, starten wir in Richtung Etretat. Schon von weitem sind die gewaltigen Felsen an der Alabasterküste zu erkennen. In Etretat angekommen, können wir uns – dank Ebbe – auf die kurze Wanderung zum spektakulären „Manneporte“ machen. Die nächste Nacht verbringen wir auf einem gemütlichen Bauernhof. Hier gibt es Calvados, einen hungrigen Hofhund und einen ruhigen Stellplatz für uns. Wir essen „zu dritt“ und beschließen das erste Mitbringsel, eine Flasche leckeren Calvados, selbst zu trinken. 😉

05.05.2017: Von Formigny aus machen wir uns auf den Weg nach „Omaha Beach“, der Landungszone der US-Truppen vom 06.06.1944. Das Wetter bessert sich langsam und auch die Anzahl der Touristen nimmt merklich zu. Man sieht einige französische Schulklassen aber auch überdurchschnittlich viele deutsche und englische Motorradfahrer und Militaryfans. Das eiserne Kreuz ist hier allgegenwärtig, ob als Lackierung, Tatoo oder Anhänger einer Halskette…

Wir fahren weiter in Richtung Le Mont Saint-Michel. Die Insel mit ihrer Abtei ist schon viele Kilometer vorher deutlich zu erkennen und hebt sich, je näher man kommt, majestätisch vom flachen Umland ab. Den letzten Abschnitt fährt man mit dem Pendelbus um sich kurz danach im Trubel der überfüllten Gassen zu verlieren…

Die heutige Fahrt endet mit einer „tierischen Begrüßung“ auf einem leeren Campingplatz in Mont Dol. Ein kurzer Spaziergang auf den gleichnamigen Berg bringt uns zur urigen Crêperie „Le Moulin du Mont“. Hier genießen wir die schöne Umgebung und noch ein/zwei Calvados.

06.05.2017: Wir lassen die schöne Normandie hinter uns und erreichen schon nach wenigen Kilometern die Bretagne. Das Wetter lässt uns heute besonders im Stich, so dass wir nur für wenige Augenblicke den Bus an der Küste von Trégastel verlassen.

Ein Blick auf die Wetterkarte lässt uns nicht lange zögern – wir machen uns auf dem Weg nach Süden. 200 km später scheint die Sonne, die wir noch für ein Stündchen genießen können. Unser Schlafplatz für die Nacht ist diesmal sehr schwer zu finden. Umso herzlicher werden wir empfangen.

Der Platz ist frisch saniert und wiedermal sind wir die ersten Gäste der Saison und auch die einzigen für diese Nacht.

07.05.2017: Bei einer steifen Brise genießen wir den ersten Kaffee des Tages am nahe gelegenen Ufer. Kurz darauf fallen die ersten Tropfen. Es sollten, bis auf eine Ausnahme, die letzten unserer Reise sein.
400 km südlich legen wir uns das erste Mal an den menschenleeren Strand. Die großen Campingplätze mit „Vollbespassung“ öffnen gerade und bereiten sich auf die Saison vor. Sie befinden sich hier zum Glück im Hinterland.

Nach einer kurzen Fährüberfahrt von Royan nach Le Verdon-sur-Mer finden wir einen kleinen Campingplatz der gerade aus dem Winterschlaf erwacht. Mit 8 EUR pro Nacht ist es der Günstigste unserer Reise. Hier beginnen die ersten Dauercamper mit dem Frühjahrsputz – zünftig im Jogginganzug. Die Mädchen in rosa, die Jungs in blau – alles sehr „deutsch“.

08.05.2017: Wir sind an der „Dune du Pilat“, der größten Wanderdüne Europas. Wie eine Wand baut sie sich vor uns auf. Nach 20min „Stapferei“, mit vielen kleinen Pausen, haben wir den höchsten Punkt – lächerliche 100m – erreicht. Vor 20 Jahren ging das irgendwie leichter. Oben auf der „Dune du Pilat“ genießen wir den wolkenfreien Himmel, den herrlichen Ausblick auf das Meer und den Anblick vieler Gleitschirmflieger .

09.05.2017: Der Tag vergeht entspannt an der Küste von Labenne.

Nach einem kleinen Stadtrundgang durch Bayonne und einem Kaffee am Adour geht es weiter in Richtung Spanien.

 

Nahe der spanischen Grenze finden wir in den Bergen einen hübschen Platz für die kommende Nacht. Nach einer kurzen ‚Bastelstunde‘ fließt auch das Frischwasser wieder und die Steaks können in die Pfanne…

10.05.2017: Der Blick auf die Wetterkarte zwingt uns zur Änderung der geplanten Route. Die Westküste Spaniens soll in den nächsten Tagen noch wolkenverhangen sein und wir entschließen uns das Land quer in Richtung Südost zu durchfahren, überqueren die Ausläufer der Pyrenäen, streifen Pamplona und fahren dann ca.50 km in die falsche Richtung. Nach vielen schönen Stopps und kleineren Spaziergängen geht es weiter nach Medinaceli.

Direkt am Ortsrand des hübschen Ortes finden wir einen Parkplatz zum übernachten. Hier treffen nach und nach ein paar Wohnmobile ein.

11.-12.05.2017: Wir versuchen den Wolken zu entfliehen, was uns auch Stück für Stück gelingt. Nach einem ausgedehnten Stadtspaziergang durch Madrid fahren wir weiter nach Toledo. Hier verbringen wir den Abend und schlafen auf einem gut besuchten Campingplatz unterhalb der historischen Altstadt.

 

12.-13.05.2017: Wir sind auf dem Weg nach Granada. Auf halber Strecke plötzlich zischende Geräusche aus dem Motorraum und kompletter Leistungsverlust. Auf dem Rastplatz dann die Diagnose – es ist nur der Turboschlauch abgerutscht.
Dank eines hilfsbereiten Truckers gelingt es, mit vier Händen, die Spannklammern und den Schlauch wieder an die richtige Position zu bringen.

13.05.2017: Wir sind auf der Alhambra auf dem Sabikah-Hügel von Granada. Sie gilt als eines der bedeutendsten Beispiele des maurischen Stils der islamischen Kunst. Dank Christophs Tipp, nutzen auch wir die Gelegenheit einer Nachtbesichtigung des Sommerpalastes „Generallife“.

14.05.2017: Die letzten zwei Nächte verbrachten wir am Fuße der Sierra Nevada auf ca 1400m Höhe. Nach einer genüsslichen Rundfahrt durch die andalusischen Gebirgszüge machen wir halt am Naturschutzgebiet „El Torcal“.

Mit seinen außergewöhnlichen Karstformationen gehört der Park – lt. Wikipedia – zu den beeindruckendsten Landschaften Spaniens und auch wir sind begeistert von den bizarren Felsgebilden. Die Fahrt geht weiter auf abenteuerlichen Pisten in Richtung El Chorro.

 

Wir finden einen gemütlichen Platz in der Nähe des Klettersteigs „Caminito del Rey“. Er wurde lange Zeit als „der gefährlichste Wanderweg der Welt“ bezeichnet. Seit 2015 ist er „saniert“, wieder offiziell benutzbar und auch nicht mehr so gefährlich.

15.05.2017: Wir „kraxeln“ mit dem Bus weiter durch das andalusische Gebirge in Richtung Süden. Bei Marbella stoßen wir auf die Autobahn und nehmen Kurs auf Gibraltar. In La Línea de la Concepción suchen wir kurz „das Loch“ für den Grenzübertritt, wenige Minuten später finden wir uns im dichten Verkehrsgetümmel wieder. Wir halten uns einfach rechts und fahren bis zur Südspitze. Hier ist ein kurzes Durchatmen möglich.

Es geht weiter zur Seilbahn. Wir kämpfen uns wieder durch den Verkehr, drehen viele Kreise bei der Parkplatzsuche und steigen schließlich in die Bahn. Der Blick auf den „Rock of Gibraltar“ ist wirklich lohnenswert und auch die Affen lieferten einen lustigen Anblick.

Im Anschluss finden wir, nach kurzer hektischer Fahrt, in Spanien einen schönen Platz am Meer. Der Campingplatz ist groß und deutsch, aber zu dieser Jahreszeit noch nicht überfüllt.

16.05.2017: Sonne, Sand und Meer satt!
Am Abend erreichen wir Portugal. Der angesteuerte Campingplatz ist neu und leer. Der erste Portugiese, den wir kennen lernen, entpuppt sich als Franzose. Er entschuldigt sich, dass er nur französisch spricht, freut sich aber sehr, uns ausführlich alle Bauvorhaben und Örtlichkeiten seines gerade erworbenen Campingplatzes zeigen zu können. Wir fühlen uns wohl und willkommen und werfen kurz darauf die Buletten in die Pfanne.

17.05.2017: Die 350 km bis nach Faro sind schnell „abgesessen“, denn die Autobahnen sind leer und gefühlt nagelneu. Die erste Mautankündigung (0,62 EUR) und die darauf folgende Kamerabrücke, ignorieren wir höflich – auch wegen des Centbetrages. Wir nehmen an, dass wir, wie in Norwegen, per Rechnung später zahlen werden. In Faro besichtigen wir die Capela dos Ossos (Knochenkapelle).
„Die … Kapelle wurde mit den Gebeinen von mehr als 1000 Mönchen aus dem Karmeliterorden gebaut und 1816 eingeweiht. Sie befindet sich innerhalb des Klostergartens der Kirche und besteht u.a. aus 1245 Schädeln“ (Wiki)
„Halte einen Moment inne, und bedenke, dass Du diesen Zustand erreichen wirst“ ist sinngemäß über dem Eingang der Knochenkapelle zu lesen.

Wir genießen den Tag bei herrlichem Wetter, kulinarischen Genüssen und traumhaften Küsten.

 

18.05.2017: Unser Nachtlager war ein einfacher Campingplatz. Betrieben wird er von einem uralten Portugiesen, der auch eine kleine Hippie-Enklave beherbergt. Trotz fantastischem Wetter scheint sich dort das Leben ausschließlich in den alten Bussen abzuspielen. Wir vermissen hier etwas das coole Flair, stattdessen werden wir durch wackelnde Gardinen begafft. Wir machen uns früh auf den Weg und machen halt an einigen der unzähligen Strände und am „Cape Saint-Vincent“ – dem südwestlichsten Punkt Europas. Den Abend verbringen am Strand, ca 100km unterhalb von Lissabon.

19.05.2017: Lissabon – heiß, lebendig, marode und trotzdem furchtbar schön. Wir müssen wiederkommen.

Unser Abend klingt im wunderschönen Sintra aus. Wir bummeln durch die Altstadt und essen ein paar ordentliche Steaks.

20.05.2017: Nach einer gemütlichen Nacht im Hotel geht es weiter in Richtung Norden und wir halten in Nazare. Hier soll es die berüchtigten Monsterwellen geben. „Die hier brechende Welle ist bei entsprechenden Bedingungen eine der größten surfbaren Wellen der Welt.“ (Wiki) Heute ist es windstill und die Wellen haben „Ostseeniveau“. Wir stehen mit dem Bus am Strand, kochen, baden und lesen…

Dank unserer „Campinplatz-App“ finden wir einen ausgesprochen schönen Übernachtungsplatz. Hier werden wir von Ellen überaus herzlich empfangen. Sie bietet neben einem winzigen Campingplatz auch B&B Übernachtungsmöglichkeiten an und restauriert in aufwendiger Arbeit eine ehemalige Terme. In div. Workshops kann man hier die Mosaiktechnik erlernen.

 

21.05.2017: Wir verbringen die Vormittagsstunden am Strand. Als uns der Hunger zu plagen beginnt, fahren wir weiter in Richtung Norden, nutzen längst vergessene Wege und fahren durch stille Ortschaften. Dann plötzlich – Volksfeststimmung – wir rauschen vorbei, drehen um und befinden uns kurz darauf in Mitten einer Gruppe Portugiesen, die Fleisch im Brötchen essen, Selbstgebasteltes verkaufen und sich sichtlich freuen uns zu sehen. Wir essen mit, kaufen ein Schlüsselbrett, unterhalten uns mit Händen und Füßen und werden herzlich verabschiedet. Wir erreichen wieder Spanien, fahren lange durch wilde Lavendelfelder und finden schließlich im Naturpark „Las Batuecas, Sierra de Francia“ einen leeren Campingplatz. Durch die Routine ist in 5min alles für den restlichen Abend vorbereitet und das Öl in der Pfanne hat nach weiteren 5min die richtige Temperatur – es gibt heute Burger.

22.05.2017: Heute erkunden wir den Naturpark „Las Batuecas, Sierra de Francia“ und sind überwältigt vom Anblick des „Meandro del Melero“. Die Zeit im Nacken und zu viele Kilometer bis nach Haus… Wir versuchen heute noch einen großen Ritt gen Norden zu machen. Leider müssen wir wieder einen kurzen Reparaturstopp einlegen. Eine der beiden hinteren Bremsen ist fest, macht nervende Geräusche und das Rad wird heiß. Aufgrund des fehlenden Spezialwerkzeugs zum Zurückdrehen des Kolbens, ziehe ich die Bremssteine nicht ganz heraus. Es fällt trotzdem jede Menge Dreck aus dem Sattel, so dass wir bis nach Berlin keine Probleme mehr haben werden.Nach ca. 700km rollen wir erschöpft in ein verlassenes Dorf, da wir in den letzten zwei Stunden weder Hotel noch Stellplatz finden konnten. Gute Nacht Montmesa.

23.05.2017: In Montmesa werden die ersten Jalousien etwas geöffnet. Blicke und Stimmen vermitteln uns, dass wir mit unserem Bus für Verwunderung sorgen. Wir machen uns auf den Weg, fahren ein paar Kilometer und frühstücken erst dann. Unseren Tag verbringen wir in den Pyrenäen. Fahren die schmalsten Bergstraßen und müssen öfter umkehren, da einige Pässe noch nicht geöffnet sind.

Wir bleiben die Nacht unterhalb von Andorra auf einem Campingplatz und erlebten hier eine kleine Freakshow: Rücksichtslose Medizintechnikvertreter die uns – trotz üppigen Platzes – total auf die Pelle rücken, hungernde und meditierende Fahrradfahrer, ein Wohnmobilfahrer mit 50qm Hundezwinger und noch ein paar andere lustige Gestalten finden sich hier nach und nach ein.

24.05.2017: Andorra – ohne Worte.

Wir sind auf der Festung von Carcassonne. Die „Cité de Carcassonne“ liegt am Ufer der Aude und gehört zum UNESCO – Weltkulturerbe und wir finden sie wunderschön und beeindruckend.

 

25.05.2017: Wir werden „irgendwo“ im Gebirge oberhalb von Carcasonne wach. Fauna und Flora erwachen ebenso, die Sonne scheint und am Horizont sieht man die Gipfel der Pyrenäen. Wir frühstücken ausgiebig und bleiben noch ein Weilchen in der Sonne sitzen… Danach fahren wir langsam die Ardèche stromaufwärts und machen hier und da einen Fotostopp. Eine fantastische Landschaft! Das finden nicht nur wir.

Diverse Wohnmobile, Motorräder, Reisebusse und jede Menge PKWs sind hier unterwegs. Mal schnell für ein Foto über die Straße laufen, kann lebensgefährlich sein.

In Frankreich kommt es aufgrund der hohen „KKW-Dichte“ nicht selten vor, dass man sich im sogenannten „Evakuierungsradius“ befindet. Wir übernachten nahe der A7 und mehrerer Fernverkehrsstraßen auf einem Campingplatz und haben trotzdem eine recht ruhige Nacht.

26.05.2017: Nach knapp 4 Wochen Rundreise sind wir nun wieder in Deutschland. Die ersten Autobahn-km sind – wie immer – etwas gewöhnungsbedürftig. Raserei und Drängelei gab es auf den letzten 10.000 km nämlich überhaupt nicht.
Schnell ist für den Zwischenstopp in Karlsruhe ein Hotel gebucht. Kurz darauf hängt auch schon das Tier am Galgen.

27.05.2017: Knapp 700 km sind es bis Berlin. Wir fahren „Rechte Spur – 120“. So können wir uns entspannt den Erinnerungen der letzten 4 Wochen hingeben.

Nach fast 10.000km ‚Vollkomfort-Europa‘, fahren wir kurz in Franken zum Essen und Tanken von der AB runter. Wir finden jedoch keine Tanke, haben auch kein Mobilfunknetz, warten dann im Restaurant 20 min auf die Bedienung… Wir verlassen die Gegend hungrig und mit fast leerem Tank. Diesel, eine Wurst und das Bezahlklo gab es dann auf der Autobahn. 🙁

Nachdem wir zurück in der Heimat waren, wären wir am Liebsten gleich wieder los gefahren. Die Vorbehalte waren verpufft und wir wissen heute, dass Sorgen bzgl. Kriminalität oder voller Campinplätze völlig unbegründet sind. Wenn man die Städte und großen Orte meidet, findet man im Mai in allen Ländern traumhafte und einsame Plätze. Sorgen um unseren Bus musste ich mir nirgendwo mehr machen als in Berlin. Hier und nur hier hat die Kralle wirklich einen Nutzen. Das sollten wir ein Jahr später auch bestätigt bekommen, als uns unserer PKW gestohlen wurde.

Fazit: Nirgendwo lässt es sich bequemer und komfortabler Reisen als in Europa. Vom Nordkap bis Gibraltar begegnet man tollen Menschen, findet ruhige Plätze in abgeschiedener Natur und hat überhaupt kein Gefühl der Unsicherheit. Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich Europa stark entwickelt. Wo es damals noch mit der Infrastuktur haperte, die wirtschaftliche und soziale Ungleichheit zwischen den Ländern deutlich sichtbar war, sehen wir heute ein nahezu einheitliches Niveau.
Dieses hohe Niveau haben wir letztendlich, auch wenn es keiner so richtig glauben will und es auch mächtig abgedroschen klingt, dem Frieden in Europa und der EU zu verdanken.
Das Alles ist heute gefährdet durch Rassismus, Nationalismus und Militarismus, deren zugrunde liegende Gedanken und Gefühle ich mir zwar erklären kann, jedoch nie nachempfinden werde.

Nach dieser Reise bin ich mir noch sicherer geworden: „Europa ist mein zu Hause“.

m.s.

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