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Mit dem VW Bus nach Island

Wir verbringen unseren gern in der Natur, fernab von jeglichem Massentourismus. Warum also nicht Island…???

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Island…
Insel des Wassers und des Feuers,
Insel der Naturgewalten,
Insel der Elfen und Trolle…

Beflügelt durch zahlreiche Dokus, Fotos, Reiseführer und Berichte von Familie und Freunden – welche allesamt über traumhaft schöne Wochen auf Island sprachen und die natürlich auch nicht mit Tipps bezüglich der “ must-see “ geizten, begannen wir voller Erwartungen unseren Urlaub zu planen.

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Wir entschieden wir uns für eine Reisezeit von 3 Wochen im September und es sollte wie immer eine individuelle Reise werden. Die Frage war nun: Sollen wir ein Wohnmobil mieten oder mit unserem alten VW- Bus fahren?
Nach intensiver Recherche zu Miet-, und Fährpreisen, zu Versicherungsbedingungen und zum Zustand unseres Busses, zu Straßenverhältnissen und allem anderen erdenklichen Für und Wider, entschlossen wir uns mit unserem 21 Jahre alten T4 die Fähre nach Island zu nehmen.

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Mit ihm unterwegs zu sein bedeutet, alles dabei zu haben was man braucht und vor allem frei entscheiden zu können, welche Straße man befährt ohne hinterher bei eventuellen Schäden zur Kasse gebeten zu werden.
Der Bus sollte nochmal richtig durchgecheckt werden, damit böse Überraschungen nach Möglichkeit ausbleiben, was sie auch taten.
Da es nur „Smyril Line“ als Anbieter gibt, war die Fährüberfahrt von Hirtshals über die Färöer Inseln nach Seydisfjördur schnell gebucht. Drei Tage würde sie jeweils dauern und war zum stattlichen Preis von 2300€ zu haben.

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Am 3. September ging es dann los.
Am Fährhafen standen wir mit wenigen anderen – dafür aber umso mehr aufgerüsteten Outdoormobilen- in der Schlange und warteten auf die Einschiffung. Von dieser hatten wir im Vorfeld jede Menge abenteuerliche Geschichten über extrem eng geparkte Autos gelesen – welche sich vor allem auf der Rückfahrt mehr als bestätigten .
Getrennt voneinander ging es an Bord. Der Fahrer mit dem Auto, der Beifahrer über die Gangway. Letzterer kam geschlagene 90 min später an Bord- weshalb weiß Smyril Line allein.
Geparkt wurde tatsächlich sehr eng, was angesichts einer leeren Fähre nicht nötig gewesen wäre.
Unsere Kabine, eine Doppelbettkabine mit Fenster, entsprach unseren Erwartungen.

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Nach drei Tagen auf ruhiger See dann endlich Ankunft in Sedisfjödur.
Das Wetter war gut, die Stimmung auch – es konnte also losgehen!
Wir entschlossen uns, die Insel in nördlicher Richtung zu erkunden.
In den folgenden zwei Wochen haben wir wirklich viele spektakuläre Orte gesehen und trotzdem hat uns die Insel nicht in ihren Bann ziehen können.
Der Grund dafür liegt hauptsächlich in der unheimlich hohen Zahl an Touristen, welche inzwischen auch im September noch so ziemlich jeden Winkel der Insel bevölkern. Reisebusse, Mietwagen und eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Minicampern sind zu wirklich jeder Tageszeit unterwegs gewesen.

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Die Möglichkeit in der Natur zu stehen, diese zu genießen und zu erleben und vielleicht auch mal länger zu bleiben – die wurde zusätzlich durch zahlreiche Verbotsschilder, gespannte Seile oder in den Weg gelegte Steinblöcke zunichte gemacht. Was wir angesichts der Massen an Minicampern sogar verstehen konnten, denn leider hinterlassen viele „Naturliebhaber“ die Plätze nicht so, wie man sie gern vorfinden würde und das Eigentümer dann durch Verbote die Notbremse ziehen, ist durchaus nachvollziehbar.

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Es blieben also nur Park-, und Campingplätze.
Erstere waren an fast jedem Naturschauspiel voll, letztere im September bereits geschlossen oder aber total überfüllt. Daher waren die sanitären Verhältnisse immer sehr bescheiden, manchmal unzumutbar und nie ausreichend für den Ansturm von Campern. So hatten wir uns das Alles irgendwie nicht vorgestellt.
Zu allem Überfluss erwischten wir auch noch eine absolute Schlechtwetterperiode mit wenig Sonne, dafür mit intensivem Regen und dichten, tief hängenden Wolkenfeldern, was leider nicht zur Stimmungsaufhellung beitrug.

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Es fiel uns schwer, uns von unseren Vorstellungen zu verabschieden und die Bedingungen zu akzeptieren, wobei hier nicht das Wetter gemeint ist.
Aber was soll’s – wir versuchten das Beste draus zu machen. Eines der negativsten Erlebnisse war eine „Wanderung“ zu einem Flugzeugwrack an der Südküste Islands, auf die wir uns sehr gefreut hatten. Mein Mann, ein passionierter Fotograf, erhoffte sich von diesem Motiv ganz besondere Aufnahmen.

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Dort angekommen sahen wir Massen von Menschen die den, mit gelben Pflöcken markierten, kilometerlangen Weg entlang trotteten- die Einen hin, die Anderen zurück. Es war furchtbar anzusehen und es fühlte sich ebenso an, Teil dieses Trosses zu sein. Ich hätte gern auf das Wrack verzichtet, zumal sich bei Ankunft am selbigen der Himmel zu einem Wolkenbruch öffnete und aus den erhofften, spektakulären Bildern nichts wurde.

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Ich persönlich freute mich im Vorfeld fast kindlich auf ein Bad im Natur Hot Pot… mit Blick auf Vulkane und Gletscher- das zu erleben konnte nur traumhaft schön und romantisch sein. Nun ja, das war eher blauäugig gedacht, denn die Realität war dann enttäuschend, zum Einen, weil es einfach nicht viele gibt und zum Anderen, weil natürlich alle in die Pots wollten und die meistens von diesen nicht mal einsam und außerdem zu bezahlen waren.

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Es kann und soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass es trotz allem auch sehr beglückende Momente gab – zum Beispiel an den Gletscherlagunen Fallsaron und Jökulsaron, welche einfach nur unglaublich schön und faszinierend sind: Glitzernde Eisblöcke im blauen Wasser oder noch schöner – große und kleine glasklare Kristalle auf schwarzem Sandstrand, im Hydrothermalgebiet am Krafla, wo man umgeben ist von phantastischen Farben, wo es blubbert, zischt und herrlich nach Schwefel stinkt oder auch einfach beim Betrachten und Bestaunen der grandiosen Basaltsäulen, der vielen tollen Regenbögen, der majestätischen Wasserfälle, der unendlichen Lavafelder und nicht zu vergessen der wunderschönen Gegend von Stoksness.

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Nach 2 Wochen machte uns Island den Abschied dann auch nicht wirklich schwer – es stürmte und regnete so stark, dass man mal wieder keine 50 m weit sehen konnte- weshalb auch die Fähre erst 13 Stunden später auslief. Die Einschiffung verlief katastrophal unkoordiniert, diesmal kam das Auto samt Fahrer erst 2 Stunden nach dem Beifahrer an Bord.
Nach drei Tagen bei mehr oder weniger starker See kamen wir wieder in Hirtshals an.

Das Land war platt, die Sonne schien- und wir freuten uns darauf bald wieder zu Hause zu sein.

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Unser Fazit : Island ist eine tolle Insel voller einzigartiger Naturschauspiele, die wir leider zu spät für uns entdeckt haben, da sie inzwischen offensichtlich dem Massentourismus erlegen ist.
Es ist mir klar, dass es vielleicht etwas anmaßend klingt sich als Tourist über andere Touristen zu beschweren – aber ich bin überzeugt, dass etwas geschehen muss, um den Touristenstrom zu lenken, und damit Voraussetzungen zu schaffen, die es möglich machen dieses Kleinod der Natur noch lange zu erhalten.

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Für uns heißt es im nächsten Jahr dann wahrscheinlich wieder: Hej Norge… 😉
js.

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